Tape is High Tech

Frage: Herr Gerecke, immer mehr Unternehmen nutzen Infrastructure-as-a-Service für Ihre Backup-Anforderungen und Flash-Technologien versprechen eine hohe Speicherkapazität bei sinkenden Kosten. Wird Tape zum Auslaufmodell?

Kurt Gerecke: Das Gegenteil ist der Fall. Moderne Rechenzentren setzen heute immer stärker Tapes für Backups und die Langzeitarchivierung ein. Das betrifft sowohl große Dax-Konzerne als auch mittelständische Unternehmen. Einige Firmen hatten sich bereits von Tape verabschiedet, bereuen diese Entscheidung aber inzwischen und sind gerade dabei, sie zu revidieren. Entsprechend dynamisch wächst aktuell der Tape-Markt. Sowohl weltweit als auch in Deutschland verzeichnen wir zweistellige Wachstumsraten. Der Grund: Data Center Manager haben erkannt, dass Tape Sie bei den Infrastruktur-Herausforderungen der Zukunft unterstützt.

Frage: Welche Herausforderungen sind das?

Kurt Gerecke: Eine zentrale Herausforderung ist die Abwehr von Cyberangriffen. Aktuell setzen Kriminelle auf sogenannte Ransomware. Das ist Schadsoftware, mit der die Unternehmensdaten verschlüsselt und erst gegen Zahlung eines Lösegelds wieder freigegeben werden. Immer öfters geraten die Sicherungskopien des Unternehmens ins Visier der Ransomware-Hacker. Danach wenden sie sich den Primär- und Sekundärdaten zu. Sind beide Angriffe erfolgreich, sind die Unternehmen völlig in der Hand der Cyberkriminellen. Auf Tape gespeicherte Daten sind nicht mit einem Netzwerk verbunden und daher außer Reichweite für Angriffe aus dem Cyberspace. Tape als Offline-Datenträger entwickelt sich daher zu einem wichtigen Teil jeder Cybersicherheitsstrategie. Oder wie es Google treffend formulierte: ‚Tape is the last line of defense, zu Deutsch: Tape ist die letzte Verteidigungslinie’.“

Frage: Tape als Medium für die Langzeitarchivierung kann sicher auch beim Thema ‚Compliance’ punkten?

Kurt Gerecke: Ein wichtiger Punkt. In einigen Branchen gibt es für bestimmte Arten von Daten Aufbewahrungsfristen von zehn Jahren und länger. Die durchschnittliche Lebensdauer von Festplatten und optischen Datenträgern liegt darunter. Tapes dagegen bringen es unter idealen Lagerbedingungen auf mindestens 30 Jahre Lebensdauer. Zudem gibt es neben überschreibbaren Kassetten auch eine zertifizierte WORM-Variante (Write Once Read Many). Diese Kassetten können einmal beschrieben, aber nicht mehr überschrieben oder gelöscht werden. Eine weitere zentrale Herausforderung ist das Datenwachstum. Die Marktforscher von IDC erwarten, dass im Jahr 2025 weltweit rund 163 Zettabyte an Daten (das ist eine 163 mit 21 Nullen) erzeugt werden. Um dieser prognostizierten Datenflut Herr zu werden, ist der Einsatz von Tapes in großem Stil notwendig.

Frage: Sind dafür Festplatten oder Flash-Speicher nicht besser geeignet?

Kurt Gerecke: Standardisierte LTO-8 Tapes können bis zu 12 Terrabyte an Daten speichern, in komprimierter Form 24-30 TB. Enterprise Tapes von IBM liegen mit 20 TB Speicherkapazität beziehungsweise komprimiert 60 TB sogar noch darüber. Selbst im mittleren Bereich weisen Tapes im Vergleich mit optischen Speicherträgern in der Regel eine 10- bis 50-fach höhere Speicherkapazität auf. Flash-Speicher sind sicherlich eine weitere wichtige Speicherkomponente der Zukunft. Hier sind aktuell die ersten SSDs mit 30 TB verfügbar. Doch sind Flash-Speicher vom Kostenpunkt aus ungleich teurer. Das macht sie für Backup- und Archivierungsanwendungen weniger interessant.

Frage: Wie sieht es mit Cloud Storage als Tape-Alternative aus?

Kurt Gerecke: Unter Kostengesichtspunkten hat Cloud Storage zunächst den Vorteil, dass bei der Einführung Hardware-Kosten nicht anfallen. Allerdings fallen monatliche Ausgaben für die Speicherung und den Abruf der Daten an. Entscheidend für einen aussagekräftigen Vergleich sind die Gesamtbetriebskosten, also inklusive Stromverbrauch, benötige Fläche, Hardware und Service. Laut den Marktforschern der Enterprise Strategy Group liegen die erwarteten 10-jährigen Gesamtbetriebskosten für eine Tape-Speicherlösung 86 Prozent niedriger als bei einer All-Disk-Lösung und 66 Prozent niedriger als bei einem All-Cloud Storage. Zudem sind Cloud-Speicher auch dem Risiko von Cyberangriffen ausgesetzt.

Frage: Den Kapazitäts- und Kostenvorteilen von Tape stehen jedoch Nachteile bei der produktiven Wiederherstellung der Daten und beim schnellen Datenzugriff gegenüber….

Kurt Gerecke: Das ist richtig, betrifft aber nur ‚heiße Daten’, also Daten, mit denen intensiv gearbeitet wird. Das sind aber nur weniger als die Hälfte der Gesamtdaten. Die Analysten von IDC beziffern die Menge an ‚kalten’ Daten, also Daten, die nicht binnen 30 Tagen abgerufen werden, auf 60 Prozent. Bei diesen nicht oft genutzten Daten ist Tape eindeutig die kosteneffizienteste Speicherlösung.

Frage: Wichtig für die Investitionssicherheit einer Technologie ist deren Entwicklungs- und Innovationspotenzial. Was hat Tape hier anzubieten ?

Kurt Gerecke: Was Kapazität und Leistung betrifft, besitzt Tape im Vergleich zu den anderen Speichertechnologien das größte Entwicklungs- und Innovationspotenzial. Dabei geht der Trend in Richtung höherer Kapazität bei gleichzeitig schnellerer Schreibgeschwindigkeit. Letztere wird bei der nächsten Generation der IBM Enterprise Tapes 1 Gigabyte pro Sekunde betragen. Gleichzeitig erwarten Experten in den nächsten 10 Jahren alle zwei Jahre eine Verdoppelung der Kapazität. 2017 erzielten IBM Forscher bei einem Prototyp eine Aufzeichnungsdichte von 201 Gigabyte pro Quadratzoll und somit eine Speicherkapazität von 330 Terrabyte. Das erfordert eine Genauigkeit der Positionierung im Nano-Bereich. Tape ist High-Tech!

Frage: Welche Empfehlungen können Sie Rechenzentren für Ihre Strategie zum Schutz der Unternehmensdaten geben?

Kurt Gerecke: Eine Modern Data Protection-Lösung basiert auf zwei Säulen: Speichersysteme, mit denen sich die Daten schnell wiederherstellen und wiederverwenden lassen, kombiniert mit Offline-Datenträgern, die gegen jede Art von Cyberangriffen immun sind und einen kosteneffizienten Einsatz ermöglichen. Ich empfehle die 3-2-1-1 Regel: Daten vierfach vorhalten, einmal im Original, zweimal als Backup-Kopie auf verschiedenen Speichern wie Cloud, Disk oder Flash und darüberhinaus eine weitere Kopie auf Tape. Zudem lässt sich Tape hervorragend bei datenintensiven Anwendungen als Speicher für die wenig genutzten „kalten“ Daten einsetzen. Mit dem Einsatz von Tape sind Unternehmen optimal auf aktuelle Cyberbedrohungen vorbereitet und erfüllen die Speicheranforderungen in KI- und IoT-Projekten – und das Beste: dies alles zu günstigen Kosten pro Terabyte.

Danke, Herr Gerecke, für die aufschlussreiche Beantwortung unserer Fragen.

Kurt Gerecke
freiber. IBM Storage Experte
für Tech Data

Über den Interviewpartner
Kurt Gerecke besitzt über 40 Jahre Berufserfahrung in der Storage-Industrie. Er arbeitete als zertifizierter Storage Consultant für IBM Deutschland und hat Channel-Partner des IT-Distributors Tech Data in vielen Speicher-Projekten erfolgreich beraten. Aktuell unterstützt er Tech Data als freiberuflicher IBM Storage Experte. Kurt Gerecke ist Autor des IBM System Storage Kompendiums, des Addendums zum Storage Kompendium und vieler technischer Publikationen zum Thema Speichertechnologien und Speicherlösungen. Der Speicher-Experte ist ein anerkannter Gastredner auf zahlreichen Storage-Veranstaltungen und vermittelt sein Wissen mit Artikeln und Webinaren auf zentralen Informationsplattformen.

Tape – Innovationsfreude pur Tape gehört aktuell zu den innovativsten Technologien des IT-Marktes. Erfolgreich wurden Schreib- und Leseverfahren der Plattentechnologie auf das Band übertragen. Dazu gehört zum Beispiel die GMR-Kopftechnik (Giant Magneto Resistance). In Verbindung mit einer Bariumferrit-Dünnfilmbeschichtung lassen sich somit extrem dünne Spuren aufzeichnen und über GMR-Leseköpfe in hoher Geschwindigkeit wieder auslesen. Momentan sind es 32 Spuren, für nächstes Jahr sind 64 Spuren anvisiert. Das bedeutet eine Verdopplung der Kapazität und eine Erhöhung der Schreibgeschwindigkeit. Der nächste Entwicklungssprung steht bereits vor der Tür. Mit Hilfe eines neuen Beschichtungsverfahrens, „Sputtern“ genannt, gelang es IBM, 330 Terrabyte auf ein handflächengroßes Band zu speichern und problemlos wieder auszulesen. Zudem hat sich das Handling von Tape-Lösungen in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Ein Gehäuse einer IBM Tape Library mit 1.000 Bandkassetten nimmt gerade einmal 0,9 Quadratmeter Platz in Anspruch. Und die Benutzerfreundlichkeit hat sich mit Einführung des Linear Tape File Systems (LTFS) deutlich gesteigert. Mit dieser Software-Lösung wird die Bandkassette auf dem Rechner als Filesystem dargestellt. Wird das Tape geladen, verhält es sich wie ein USB-Stick oder eine externe Festplatte mit eigenem Directory, ohne dass eine separate Backup-Applikation erforderlich ist.

Ansprechpartner für IBM Tape Lösungen:
Ingmar Badura
Business Development Manager
IBM Cloud IaaS & IBM Storage Solutions
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